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IG Metall Pforzheim

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Heinrich - Wieland - Schule

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19.11.2007 Presseerklärung des Gesamtelternsprechers: Lehrerversorgung an der Heinrich - Wieland - Schule - Pforzheim

In den vergangenen Jahren hat sich die Lehrerversorgung an der Heinrich-Wieland-Schule kontinuierlich verschlechtert. Während in den Vorjahren Unterrichtsausfall, bedingt durch Krankheit oder Unterbesetzung des Lehrerkollegiums, durch engagiertes Handeln des Lehrerkollegiums weitgehend vermieden werden konnte, spitzt sich die Situation derzeit dramatisch zu und droht, sofern nicht umfassende Maßnahmen ergriffen werden, in den kommenden Jahren katastrophal zu werden.Unter dem Dach der Heinrich-Wieland-Schule sind neben dem Technischen Gymnasium eine Vielzahl technisch ausgerichteter Fachschulen für die berufliche Aus- und Weiterbildung zusammen gefasst (vgl. Graphik). Zirka 2000 Schüler werden in dem Schulkomplex auf dem Buckenberg mit Hilfe eines engagierten Teams von über 100 Lehrkräften und einer trotz aller Sparzwänge modernen, den aktuellen Bedürfnissen angepassten Ausstattungausgebildet und auf eine qualifizierte berufliche Tätigkeit vorbereitet. Das Einzugsgebiet der Heinrich-Wieland-Schule umfasst neben der Stadt Pforzheim auch den Enzkreis sowie Teile derumliegenden Kreise. Das Technische Gymnasium unterrichtet in seinen vier Zweigen Gestaltung und Medientechnologie, Technik, Technikund Wirtschaft sowie Informationstechnik ca. 300 Schüler in einer gymnasialen Oberstufe, die mit der AllgemeinenHochschulreife abgeschlossen wird. Hieraus ergibt sich bei den Unterrichtsfächern ein Schwerpunkt im BereichMathematik, Physik und Technik. Gerade in diesen Schlüsselbereichen gibt es akuten Lehrermangel. Da die Schule Anfang der siebziger Jahre gegründet und damals großzügig mit jungen Lehrkräften ausgestattet wurde, stehen viele dieser Lehrkräfte nun vordem Ende ihrer beruflichen Laufbahn. Ersatz für ausscheidende Lehrkräfte ist jedoch nicht in Sicht. Dieses hatmehrere Gründe:
÷Die mangelnde Attraktivität des Lehrberufs hat vor dem Hintergrund des unersättlichen Bedarfs der Industriean Ingenieuren, Physikern und Mathematikern dazu geführt, dass in den letzten Jahren die Zahl derLehramtsstudenten drastisch gesunken ist.
÷Auch vor dem Hintergrund der vom Kultusministerium immer wieder betonten demoskopischen Entwicklung -die Schülerzahlen nehmen ab - ergibt sich kein Minderbedarf an Lehrkräften. Selbst wenn aufgrund kleinererJahrgänge die Klassenstärke von derzeit 25 - 30 Schüler pro Klasse auf (wünschenswerte) 15 - 20 Schülerpro Klasse sinken würde, ergäbe sich dennoch kein reduzierter Bedarf an Lehrkräften, da die ohnehineinzügigen Zweige nicht zusammen gefasst werden können.
÷Die beruflichen Gymnasien gelten für Lehrkräfte als wenig attraktiv. Obgleich die Fluktuation der Lehrkräftean der Heinrich-Wieland-Schule gering im Vergleich zu vielen allgemeinbildenden Gymnasien ist, fällt esschwer, junge Lehrkräfte für ein berufliches Gymnasium zu begeistern. Die Gründe sind nicht einfachnachvollziehbar; vielleicht wirkt gerade die durch Wahl des beruflichen Gymnasiums bekundete hohe Motivation der Schüler auf den ersten Blick abschreckend, da sie auch von den Lehrern einüberdurchschnittliches Engagement erfordert.Die aktuelle Situation stellt sich wie folgt dar:
÷Durch den krankheitsbedingten Ausfall eines der beiden Informatiklehrer musste der von diesem Lehrer zuerteilende Unterricht in der Zeit vom Schuljahresbeginn bis zu den Herbstferien komplett ausfallen. Der IT- Lehrer wird voraussichtlich erst im Jahre 2008 wieder teilweise einsetzbar sein.Als Notfallmaßnahme werden nun als Aushilfe zwei Mitarbeiter der Fachhochschule Pforzheim befristet den Unterricht in den Klassen 12 und 13 (Abiturstufe) durchführen. Der Unterricht in der Klasse 11 fällt weiterhin komplett aus. Dies ist ein völlig untragbarer Zustand, da es sich hierbei um das Kernfach und somit denSchwerpunkt der Abiturprüfung des Zweiges Informationstechnologie handelt.
÷Aus dem gleichen Grunde wird das Fach Computertechnik in der Jahrgangsstufe 12 (Zweig Technik bzw.Technik und Wirtschaft) sowie in der Jahrgangsstufe 13 (Zweig Informationstechnik) nicht unterrichtet.÷Der Unterricht in Mathematik ist in der gesamten Jahrgangsstufe 11 um 25 % gekürzt. Dies ist unter dem Aspekt, dass die Mathematik unverzichtbare Voraussetzung für alle Naturwissenschaften ist, unhaltbar.
÷Das Fach Physik Labor, in dem die theoretischen Grundlagen der Physik durch praktische Versuchebuchstäblich "begreifbar” gemacht werden können, fällt derzeit komplett in den Klassen 11, 12 und 13 aus.÷Der als "planmäßig” zu bezeichnende Unterrichtsausfall an der Heinrich-Wieland-Schule bedeutet, dass derzeit jede 20. lehrplanmäßig vorgesehene Unterrichtsstunde nicht durchgeführt wird. Dies umfasst nichtden unvorhersehbaren Unterrichtsausfall, der durch kurzfristig auftretende Erkrankungen oder anderweitige Verhinderungen im Lehrerkollegium zustande kommt.Unter Berücksichtigung des aktuellen Krankenstands an der Schule fällt derzeit an den Berufsschulen jede 11. Stunde aus (9 % des Unterrichts), während am Technischen Gymnasium "nur” jede 14. Stunde ausfällt (7,3 % des Unterrichts). vor diesem Hintergrund ist es geradezu alarmierend, wenn man die Entwicklung der Unterrichtsversorgung in denkommenden Jahren aufgrund absehbarer Fakten betrachtet:
÷Fast alle Mathematik- und Physiklehrer haben ein Alter erreicht, in dem man ihr Ausscheiden, sei es durch Erreichen der Altersgrenze oder durch vorzeitigen Ruhestand, in der Bedarfsplanung zu berücksichtigen hat.Dieses enorme fachliche und pädagogische Potenzial wird, sofern nicht umgehend durch das Regierungspräsidium qualifizierter Ersatz gefunden wird, in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen.÷Dieses Problem wird noch dadurch verstärkt, dass ein Teil der Lehrkräfte bereits in der Vergangenheit freiwillig mehr Stunden unterrichtet hat, als der Dienstvertrag vorsah. Diese Stunden werden anders als inder Industrie nicht als Überstunden bezahlt, sondern in Folgejahren weniger unterrichtet. Da diese Abgeltung vor dem Ausscheiden der Lehrkräfte erfolgen muss, wird sich der Lehrkräftemangel noch weiter verschärfen.Das hieraus resultierende Defizit entspricht derzeit (Schuljahr 2007/08) weiteren 2,5 fehlenden Lehrkräften. ach Meinung des Elternbeirats der Heinrich-Wieland-Schule ist dieser Zustand unhaltbar. Ein aus diesem Grunde zwischen dem zuständigen Referenten des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Herrn Zwecker, und Dr. Bachmanngeführtes Gespräch brachte u. a. folgende Ergebnis:
÷Das Regierungspräsidium Karlsruhe kann keine Lehrkräfte zuweisen, da keine geeigneten Bewerber zurVerfügung stehen.÷Der Versuch, nicht als Lehrkräfte ausgebildete Akademiker mit natur- oder ingenieurwissenschaftlichemHintergrund als Ersatzkräfte zu gewinnen, sind bislang gescheitert. Hierfür gibt es neben der Tatsache, dass den Bewerben die Bezahlung wenig attraktiv im Vergleich zu Tätigkeiten in der Industrie erscheint,verschiedene Gründe:
-das starre Beamtengesetz verbietet die Verbeamtung älterer Bewerber-Bewerber, die ihren Wohnsitz nicht in oder nahe Pforzheim haben, sind wenig gewillt, umzuziehen.Beide Gründe wurden anhand konkreter Fälle genannt.
÷Das Regierungspräsidium ist bereit, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure auch ohneLehrerausbildung schnell und unbürokratisch einzustellen. Voraussetzung ist, dass sie aufgrund ihrerAusbildung das erforderliche Fachwissen in den Mangelfächern (speziell Mathematik und Physik) aufweisen.Ausdrücklich wurde betont, dass gerne auch pensionierte Lehrer mit einem für sie zugeschnittenUnterrichtsvolumen eingestellt werden können.
÷Dr. Bachmann hat in dem Gespräch die dringende Bitte von Herrn Zwecker entgegen genommen, geeigneteHilfskräfte aus dem Umfeld Pforzheim zu finden und dem Regierungspräsidium zu benennen.Gerade diese Bitte ist alarmierend. Das Regierungspräsidium ist offenbar nicht in der Lage, die gesetzlichvorgegebene Aufgabe, die Unterrichtsversorgung sicher zu stellen, zu erfüllen. Wird die Personaldisposition des Landes in die Hände der Elternschaft gelegt, so ist zwar nicht auszuschließen, dass kurzfristig geeignete Aushilfengefunden werden können, doch kann und darf dies nicht die Aufgabe der Eltern sein. Hier ist einzig und allein dieLandesregierung gefordert, kurzfristig geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die Stadt Pforzheim hat es trotz leerer Kassen in der Vergangenheit immer verstanden, die Heinrich-Wieland-Schuleso auszustatten, dass ein überaus qualifiziertes Bildungsangebot realisiert werden konnte. Nun ergibt sich diegroteske Situation, dass dieses Angebot nicht aufrecht erhalten werden kann, da die vom Kultusministeriumerarbeiteten Lehrpläne mangels Personal nicht realisierbar sind. Logische Konsequenz kann daher eigentlich nur die Reduktion des Bildungsangebotes und damit eine drastische Verschlechterung der Bildungschancen im technischenBereich für die Region Pforzheim sein. Gerade vor dem Hintergrund der seit Jahren andauernden Diskussion über die Leistungsfähigkeit des deutschenSchulsystems im internationalen Vergleich ist der Elternbeirat der Heinrich-Wieland-Schule nicht gewillt, denkontinuierlichen Abbau der Leistungsfähigkeit der Heinrich-Wieland-Schule zu akzeptieren.
Pforzheim,
15. November 2007

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Letzte Änderung: 28.11.2007


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